Kreationismus
Sind Kreationismus und Gott nicht unwissenschaftlich?
Das war die Überschrift, die ich auf einer Seite zu lesen bekam. Wem kommt da denn nicht spontan die Antwort: Ja in den Sinn? Aber wie wir diese übernatürlich intellektuellen Abend-Hauptschüler kennen versuchen sie nun das Gegenteil zu beweisen, wir sind alle gespannt.
Der Glaube an Gott ist doch total veraltet und verstaubt. Ist es nicht unwissenschaftlich an Gott und an Kreationismus zu glauben?
Soweit ist alles richtig und diese rhetorische Frage am Schluss finde ich auch sehr ansprechend! Ich hab mich doch wohl getäuscht, man kann hier tatsächlich wissenschaftliche Fakten lesen? Ein Wunder ist geschehen!
Grundsätzlich stellt sich hier erst einmal die Frage, was man unter “wissenschaftlichem” Vorgehen zu verstehen hat. In der Regel trifft man in der Wissenschaft immer erst einmal eine Annahme und forscht dann entsprechend weiter. Man schaut, ob sich diese Annahme auch bestätigen lässt.
In der Regel macht man ein Experiment und versucht es zu Deuten. Dem Entspricht übrigens auch die Erkenntnis Theorie von Kant. Kurz: Man kann nur etwas wissen, was man mit Erfahrung bestätigen kann.
Es wird also angenommen, dass die Welt und alles Leben durch Evolution entstanden ist, was durchaus okay ist. Allerdings wird in der Wissenschaft heute meistens noch eine weitere Annahme getroffen: Es gibt keinen Gott!. Und unter dieser Annahme KANN man defakto zu keinem anderen Schluss kommen.
Ja, wenn man die ganzen Fossilien Funde missachtet, die C14-Methode leugnet und die anderen wissenschaftlichen Fakten, kann man wirklich zu keinem anderen Schluss kommen, als dass die Artenvielfalt durch Gott erreicht wurde. Des Weiteren ist das Postulat eines nicht vorhandenen Gottes ja wohl nur gerechtfertigt. Man fordert ja wohl auch keinen Gott, wenn man Interferenzen erklären möchte. “Ja, dadurch, dass Gott existiert, entstehen Auslöschung und Verstärkung des Lichts auf dem Schirm durch den Doppelspalt”… Wobei, das würde die ganze Sache schon sehr vereinfachen.
Da diese Annahme aber nicht bewiesen werden kann ist das höchst unwissenschaftlich. Wenn man zum Beispiel in der Mathematik einen Beweis antreten will, ist es vollkommen unlogisch eine Möglichkeit der Lösung von vornherein auszuschließen, weil sie nicht ins eigene Denkschema passt.
Alleine diese unqualifizierte Aussage verdient einen Orden! Einen mathematischen Beweis mit der Existenz Gottes zu vergleichen sucht wohl seines Gleichen. Wenn man einen Mathematischen Beweis tätigt, ist dieser wie ein Axiom, das steht dann für alle Zeiten und ist nicht veränderbar. Bei den Naturwissenschaften erneuert man ja schon immer nur Paradigmen und bei den Theologen versucht man immer nur wieder neu das ganze anzupassen, damit man nicht ganz so lächerlich dabei wegkommt.
Übrigens, dass man Gottes Existenz nicht beweisen kann, ist ja auch klar: Wenn es etwas nicht gibt, kann man auch nicht beweisen, dass es vorhanden ist. Daher liegt die Beweispflicht auf Seiten der Vertreter dieses “Märchens”. Unwissenschaftlich wäre es auch, wenn man einfach sagen würde, dass Gott dafür zuständig war, wie z.B. übrigens auch für die Blitze (die man ja auch nicht erklären kann), oder warum die Sonne scheint.
Es wäre das gleiche, wenn man Weltraumforschung betreibt unter der Annahme die Erde könne unmöglich rund sein. Oder wenn ein Historiker der über die Entdeckung und Kolonialisierung Amerikas schreiben will, die Annahme trifft, dass Christoph Kolombus nie gelebt hat. Er KANN nicht zum Ergebnis kommen, dass Kolumbus Amerika entdeckt hat.
Stimmt, hätten wir nur immer auf die Kirche gehört, dann wüssten wir schon lange, dass die Erde rund ist. Dieser Galilei hat die gesamte Entwicklung nur verzögert. Auch wenn beides Schwammig ist: Eine Scheibe ist auch Rund und Amerika wurde von Columbus höchstens für die europäische Welt entdeckt.
Aber das Schlimme ist, dass man darüberhinaus wieder den Zirkelschluss zieht: “Weil die Evolutionstheorie korrekt ist, kann es keinen Gott geben!” Man nicht eine Annahme machen, darauf eine Theorie aufbauen und dann mit der Theorie wieder die Annahme beweisen.
Übrigens gilt das Gleiche auch für den Gottesbeweis: Man kann nicht einfach annehmen, dass es einen Gott gibt und dann sagen, dass er für Naturwissenschaftliches verantwortlich ist. Ist doch wesentlich stupider als erstmal annehmen, dass es keine transzendente Macht gibt!
Niemand verlangt, dass man den Kreationismus voll und ganz akzeptieren und als alleinige Wahrheit hinstellen muss. Es ist aber falsch und alles andere als wissenschaftlich, die Möglichkeit eines höheren Wesens (das die Welt erschaffen hat) per Definition auszuschließen.
Das Problem ist nur, dass die Existenz eines göttlichen Wesens weitreichende Konsequenzen hätte und es einfacher ist, vor diesen Konsequenzen die Augen zu schließen…
Der Kreationismus ist auch eine sehr schlechte Erklärung für das ganze, und ist aus den schon genannten Gründen unwissenschaftlich, weil eben nichts für eine Existenz spricht (by the way: wieso dürfen sich Theologen eigentlich Wissenschaftler nennen?). Das Problem ist nur, an deiner Problemhypothese, dass es keine übernatürliche Macht gibt. Daher gibt es auch keine Konsequenzen.
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