Lernen für das Leben – Zivischule Ith
Zivildienstschule – Einführungslehrgang auf dem Ith
Anreisetag:
Es war soweit, das Ereignis, was ich so lang wie möglich vor mir hergeschoben habe ist gekommen. Meine Lust und meine Bereitschaft mich dort zu engagieren tendierten gegen Null. Ich hab mir ein Navi besorgt, weil ich von einigen gehört habe (auch in diversen anderen Rezensionen), dass es um der Zivildienstschule so etwas von nichts gibt. Also habe ich mich in mein Auto gesetzt und bin losgefahren. Auf der Autobahn bestätigte sich dann sofort meine Meinung: „Die Woche wird scheiße“. Nicht nur, dass es LKW-Fahrer gibt, die überholen, was zweifelsohne nichts bringt. Nein, sie müssen natürlich mehrere Kilometer lang überholen, wenn die Straße gerade eine 12% Steigung durchläuft. Sehr zur Freude meinerseits. Schließlich sagte mir das Navi mit einer künstlichen Frauenstimme: „Bitte in 3000m rechts abbiegen“. Gesagt getan und so fuhr ich immer weiter in die Pampa, vorbei an schönen Kraftwerken bis ich endlich in Eschershausen ankam. Von da sollte ja auch die Zivildienstschule ausgeschildert sein. War sie auch, allerdings besser als Eschershausen selbst, das eigentlich nur mit dem Ortschild „ausgeschildert“ war. Schließlich, nach einer Mörderkurve, die man nur mit 30km/h durchfahren durfte, stand ich an der Anmeldung. Dort wird man erstmal mit allen möglichen Infos erschlagen, die man sich nachher eh nachlesen muss, weil man nur die Hälfte mitbekommt. Man füllt ein paar Formulare aus und geht dann auf Wunsch der netten Dame zu seiner Unterkunft. Hier bekommt man in alter Bundeswehrmanier seine Ausstattung: „3 Schlüssel (Zimmer, Schrank, Holzsafe), Hand- und Duschtuch sowie Bettwäsche)“. Damit kann man endlich sein Bett beziehen und begegnet seinen Kameraden (um mal den Bundeswehrjargon zu benutzen). Hier zeigt sich auch die Unfähigkeit es BAZ, denn von den Leuten, die ich kenne, haben alle einen total unterschiedlichen Termin bekommen.
12.00h: Es gibt sogar essbares Mittagessen. Das gute ist, dass man sich kostenfrei einen Nachschlag holen kann. Zum Trinken gibt es leider nur stilles oder normales Wasser. Gut zum Mittagessen ist das sicherlich auch angemessen. Nach dem Mittagessen gibt es im selben Raum Aushänge über Themen, die man wählen kann. Globalisierung, EU in der Krise, Arbeitsmarkt, Okkultismus, Verschwörungstheorien und Konflikte.
14.00h: Nun fängt es endlich an: Der Empfang. Schon jetzt merkt man, wie viel Zeit man hier doch hat. Ich empfehle gegen dieses Übermaß etwas Sinnvolles mitzubringen, wie z.B. Bücher, das Handy (man hat tatsächlich Empfang) mit Spielen vollzupacken oder sonstiges elektronisches Spielzeug. Beim Empfang wird nochmal alles gesagt, was einem die nette Frau zu Anfang gesagt hat, nur in einer unglaublich langen Zeitspanne von mehr als einer Stunde. Es wird sehr viel geredet, manchmal auch nur damit es im Raum nicht still wird. Außerdem wird erwähnt, dass wir eine gewissen „Halbtrockenwiese“ nicht betreten sollen. Dazu komme ich aber später nochmal. ~15.00h: Seminaranfang! Endlich etwas zu tun. Ich bin schon gespannt was kommt und werde direkt zu Anfang enttäuscht. Erstmal wird in aller Breite über das Grundverständnis der Regierung über den Zivildienst gesprochen… Zwar meinte der Dozent das gar nicht so, aber für mich hörte sich das an, als ob es eigentlich scheiße sei. Um es positiv auszudrücken. Uns wurde auch unter die Nase gerieben, dass wir ungerecht vom Staat behandelt werden, weil die Frauen und 55% ja nicht gezogen würden.
Na, wenn das nicht motivierend ist! Offensichtlich werden wir da für dumm verkauft, was man auch an dem „Lern“-tempo sieht, welches extrem langsam ist und nicht gerade die Stimmung steigen lässt. Leider habe ich nichts zu schreiben dabei, also kann ich mich nicht anders ablenken. 18.00h: Nach 3 Stunden Folter gibt es nun Abendessen und ich freue mich sehr auf leckere Brötchen und Kakao um direkt nochmal eine derbe Enttäuschung zu erleben. Es gibt Brot und Wasser, vllt Tee. Gut, in der Not frisst der Teufel auch fliegen, dann muss ich da auch wohl durch. Es erinnert stark an einen Knast – Wasser und Brot. Auf dem Rückweg entdecken wir ein subtil manipulierendes Schild, dass man die Halbtrockenwiese nicht betreten darf, was einen Zivi zeigt, der gerade die selbige betreten möchte:

„Hey du, Zivi! Durchtrampeln ist zwar Praktisch, aber uncool!“ - Man hält uns offensichtlich für intellektuell Benachteiligt
19.00h: Den wissbegierigen Schülern wird nun erklärt, was alles so “auf dem Ith geht”. In der Kurzform: Filme, Fitnessraum, Sauna, Turnhalle, Sportplatz, Weinprobe, Geocaching. Man muss schon sagen, dass sie sich Mühe geben, dass wir nicht vor Langeweile Suizid begehen. 19.35h: Jetzt noch schnell in die Stadt, Alkohol kaufen & etwas zu essen. Der nächste Supermarkt ist leider gefühlte 8km von der Zivildienstschule entfernt. Zu Fuß kaum zu schaffen, daher bin ich froh um mein Auto. Der Abend war ganz lässig, wir haben etwas getrunken und uns unterhalten, bis es dann hieß um 7.00 aufstehen.
Noch 4 Tage:
7.00h: Nach einer unbequemen Nacht auf diesen zu schmalen und zu kurzen Betten muss man auch noch um so einer unmenschlichen Zeit aufstehen. Also erstmal duschen (Wärme kann man nicht einstellen, es gibt nur an und aus, dabei ist das manchmal ganz schön heiß) und mit meinen Zimmergenossen zum Frühstück. Ich bereite mich geistig auf so ein Abendessen wie am Tag zuvor vor, aber ich bin positiv überrascht. Es gibt Brötchen und „Kaffee“! Naja, der Kaffee war meiner Meinung nach eine widerliche Plörre, aber gut.
8.30h: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt, aber ich habe mir vorsichtshalber etwas zum Malen zu dem Seminar mitgenommen. Es geht schon wieder um den Zivildienst, es ist sogar so spannend, das 3 Stück in einer Reihe einschlafen. Interessant finde ich zu erwähnen, dass man als Zivildienstleistender nur eingeschränkte Grundrechte hat: eingeschränkte Meinungsfreiheit, eingeschränktes Versammlungsrecht & Petitionsrecht, Freizügigkeit (keine freie Wohnungswahl) und Unverletzlichkeit der Wohnung ist auch nicht gewährt. Des Weiteren hat man auch nur ein eingeschränktes Recht auf körperliche Unversehrtheit. Das merke ich gerade am eigenen Leib, ich dachte zumindest Folter wäre in Deutschland verboten. Es wird auch erwähnt, dass sich jemand am Abend zuvor übergeben hat, er soll es bitte wegmachen, mehr wird dazu nicht gesagt. Mein Lieblingszitat:
„Hier sitzen so viele Personen, ist es schwer für mich immer gegen soviele anreden zu müssen“, „Wieso? Das müssen wir doch auch!“
Die größte Zeit male ich, ich sehe auch, dass da jemand PSP spielt. Die Not macht erfinderisch. 12.30h: Das Mittagessen hätte man sich sparen können, ich empfand es als widerlich. Meine „Kameraden“ auch. Als dank haben einige Schüler dem Koch ihre vollen Tabletts als stillen Protest dagelassen, der sich vorher über selbiges Verhalten beschwerte. Naja, recht hatten sie ja. 13.30h: Wieder zum Unterricht. Es wird wieder nichts großartigeses verlangt, die meisten ruhen sich aus, malen etwas, lösen rätsel oder schlafen wieder. Ein ganz passendes Zitat:
„Er war der einige Lehrer, der mich dazu gebracht hat Schreibzeug mitzubringen, da man sich wirklich selbst beschäftigen muss!“
15.30h: Endlich Freizeit und wir machen Geocaching, das ist eigentlich auch ganz ok, wenn da nicht diese Drecksviecher wären, Zecken und blinde Fliegen. Das war dann auch schon der Tag, Gottseidank stand da ein Pizzataxi, wo wir uns mit Menükarten eindeckten und sofort etwas bestellten. Um das Fahrtgeld konnten wir uns drücken in dem wir gesagt haben, dass wir es nicht wussten und keine Karten bekommen hätten. Also wieder aufs Zimmer und die Pizza gegessen und Bier getrunken. Danach haben wir mit letzterem Weitergemacht und haben TV geschaut.
Noch 3 Tage:
7.30h: Das Frühstück war wie immer, nur ein wenig zu kurz für uns, deshalb kamen wir zu spät zum Unterricht, was aber auch nicht besonders drastisch war, weil man nichts verpassen kann. Hier konnten wir dann sofort wieder unserer Beschäftigung nachgehen, weil wir einen Film schauten, der über die Anfänge des Zivildienstes handelte. Neben den sonstiges Beschäftigungen lies ich mir zeigen, wie man eine Schachtel bastelt, was ich aber leider schon wieder vergessen habe.
11.00h: Ein Lichtblick war dann der Regionalbeauftragte, der uns über Geld- & Sachbezüge und der Heilfürsorge aufklärte. Es war zugegebenermaßen sehr interessant und es fiel mir auch nicht so schwer ihm zuzuhören. 13.30h: Nun hatten wir bei einem anderen Dozenten Unterricht, der etwas mehr Autorität ausstrahlte, und wir nicht mehr malen konnten, weil wir es sonst möglicherweise am Freitag nachholen müssten. Das war so ziemlich das einige Druckmittel, was auch zog. Ansonsten war es nicht sonderlich erwähnenswert. 19.00h: Gegen Abend wollten wir uns einen Film ausleihen, konnten uns aber nicht entscheiden. Der Typ hinter dem Tresen hat uns darauf hin einen Film vorgeschlagen, der schon vom Cover her scheiße aussah und wir deshalb ablehnten. Leicht eingeschnappt meinte er darauf:
„Man guckt ja auch nur Filme, die man schon kennt“.
Ich fand ihn unheimlich lustig. Später gingen wir dann wieder unserer abendlichen Beschäftigung nach. Auf dem Zimmer vernichteten wir, was wir nachmittags gekauft hatten und trauerten, dass wir wohl im Unterricht nicht mehr malen konnten.
Vorletzter & letzter Tag
Die anderen Tage liefen im Prinzip genauso ab, das Essen war mal mehr, mal weniger schlecht und der Unterricht größtenteils nicht sonderlich Spannend. Man sollte diesen Videothek-Typen übrigens möglichst niemals fragen, wo etwas ist, denn da kommt immer nur eine Antwort die danach klingt, als wenn man es wissen müsste. „Könnten Sie uns vielleicht sagen, wo das Internet-Café ist“, „Ja, ihr geht möglichst um 16.00h los und braucht euch diesmal kein Auto zu besorgen, ihr geht nur die Treppe hoch und dann gerade aus“ Die Frage, ob er uns denn ein Fahrrad dafür geben könnte, verneinte er leider.
Am letzten Tag wurden wir von unserem Dozenten gefragt, warum wir denn nicht zum Bund gegangen sind. Es waren einige dabei, die wie ich nur keine Lust hatten sich von einem geistig Benachteiligten Menschen anschreien zu lassen, weil er etwas kompensieren muss. Hätten aber sonst wohl Lust mal eine Waffe in der Hand zu halten – soviel zum Thema Verweigerung aus Gewissensgründen. Andere waren einfach nur körperlich zu stark gebaut und waren denke ich mal zu faul zum Sport treiben. Nur einer aus der Gruppe hat wirklich gesagt, dass er nicht auf menschenähnliche Zielscheiben schießen könnte und genau aus diesem Grund dann auch nicht zum Bund gegangen wäre. Die Krönung war aber jemand anderes, der nur kein Bock hatte sich seine Haare abzuschneiden.
Schlussendlich habe ich es aber auch überlebt, wie so viele. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man wirklich mit Auto kommen. Sachen die man mitbringen sollte sind unter anderem ein Notebook und Lautsprecher, wenn man so etwas zur Verfügung hat. Oropax, falls man laut schlafende Kameraden hat (ich hatte Glück!). Anderes elektronisches Spielzeug um sich sonst noch die Zeit zu vertreiben. Vielleicht einen Wasserkocher mit Instantsuppen, wenn das Mittagessen mal eher für Leute mit Anosmie geeignet ist. Außerdem sind Rätsel oder Schreibzeug um etwas zu malen für den Unterricht sehr gut geeignet, da man so am Ende des Tages trotzdem noch das Gefühl haben kann ein wenig Sinnvolles geleistet zu haben.
Da du ja sicherlich nicht ohne Grund nach einem Bericht der Zivildienstschule auf dem Ith gesucht hast, wünsche ich dir viel Spaß! Achja: hinterlasst bitte mal ein Feedback, wenn euch der Text gefallen hat und wenn nicht auch, damit ich weiß was daneben war, kurzer Comment reicht vollkommen!
Hast Du nachts das Geocaching gemacht? Das hat echt Laune gebracht!
Gruß,
ein ehemaliger Zivi
Hui.. also ich werd mich mit Notebook, Gras, Bier, Nintendo DS und wasweisich ausrüsten, ein Auto mit Navi habe ich auch.. – ich freu mich irgendwie auf die Woche Urlaub
Vielleicht kann ich ja über mein Handy sogar online gehen und chatten!
Danke für deinen Erfahrungsbericht
..
Ich denke dann bist du ganz gut ausgerüstet, man muss es wirklich so positiv wie möglich sehen, immerhin ist es eine Woche bezahlter Urlaub
Trotzdem hält sich halt die Lust sehr in grenzen. Mit dem Handy online gehen funktioniert, wir haben aus Langeweile versucht uns Pokemon aufs Handy zu laden. Leider erfolglos.
Bis dann,
eritaS
So, war jetzt auch eine Woche und möchte euch meine Erfahrung mitteilen..
Einsvorweg Geocoaching hatten die nicht mehr angeboten, obwohl ich es am ersten Tag vor hatte.
Aber dafür gab es eine Menge anderer Aktivitäten und zur Angebot standen: Playstation 2 , Wii, Billiard, Tischkicker, Dart, DVD´s schauen, Internet, Fitnessstudio usw. allerdings standen uns Schwimmen und Sauna nicht zur Verfügung, aufgrund Umbauarbeiten.
Das Essen war überaschendeweise ganz in Ordung trotz Massenproduktion. Zum Frühstück gab es Brötchen mit den üblichen Aufschnitt (Wurst, Käse, Marmelade usw.) und trinken konnte man Milch, Tee und wie oben schon erwähnt halt Wasser.^^
Zu den Seminar Themen kann ich sagen, dass das Okkultismus Thema sehr beliebt war, hat sich halt warscheinlich herum gesprochen. XD
Und deswegen blieb mir nichts anderes übrig als das Thema Europa auszuwählen.
Und habe diese Entscheidung nicht bereut.^^
Der Unterricht bei unseren Dozent Jürgen van Eltern war zwar alles andere als unterhaltend, aber dafür kaum fordern und das meine ich wörtlich.^^
Er erzählte nur und mindestens die Hälfte der Unterichtszeit waren wir mit schauen von Dokus beschäftigt.^^
Also hier mein erster Tipp, wenn ihr euch Nachts die Kante geben wollt und fürchtet morgens nicht fit zu sein, dann wählt diesen Dozenten.
Einge von uns waren bei ihn fast eingeschlafen (mich eingeschlossen^^), aber gekümmert hat es ihn übrigens nicht. Obwohl er charakterlich völlig korrekt und freundlich ist.
Als ich gehört habe, das die anderen Gruppen Stuhlkreise und Rollenspiele durchführen mussten, dachte ich nur, Glück gehabt.^^
Die größte Herausfoderung war allerdings die Freizeit, denn ab 15 Uhr hatte man Unterrichts frei und zwar gabs es wie oben erwähnt diverse Aktivitäten, aber wirklich langzeit beschäftigen waren sie nicht.
Deshalb empfehle euch viel Elektronik (Mp3 Player, DS, PSP, Notebook…) mitzunehmen.
Übrigens konnte wir in der Woche Fußball auf einer großen Leinwand schauen mit entsprechenden Surround Sound.
An diesen Punkt möchte ich Werder und Hambung gratulieren, das sie in die nächste Runde des Uefa Cup eingezogen sind.^^
Als abschließendes Resumme kann ich euch berichten, das ich die Woche überlebt habe.
Trotz der teilweisen langweiligen Zeit dort, war dies eine gute Abwechslung zu monotolen Zivi Alltag.^^
Falls ihr noch Fragen habt, dann könnt ihr mir ruhig eine Email schicken.