Der tägliche Wahnsinn des Busfahrens
Als ehemaliger Schüler – mit knapp zehn Jahren Busfahrerfahrung – gibt es schon einige Anekdoten zu diesem Thema, die ich mal zum Besten geben will.
Seit einiger Zeit haben wir nun auch die unglaublich hilfreichen und gleichzeitig enorm peinlichen „Busbegleiter“ an den Schulhaltestellen im Einsatz, die natürlich primär drauf achten sollen, dass die ganz kleinen Kinder nicht an der Haltestelle draufgehen. Ist ja auch im Prinzip erst einmal eine gute Sache, dass man Arbeitslosen eine Beschäftigung bietet (damit sie nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen). Jedoch ist es meiner Meinung nach keines Falls akzeptabel, wenn die Busmännchen sich dann aufspielen müssen, weil sie neon-farbene Jacken tragen und auf ihrem gestellten Auto selbstironisch „Sicherheitsdienst“ steht – man muss ja auch über sich selbst lachen können.
Um zu verdeutlichen wie wichtig sie doch sind, postieren sie sich dann an die Eingänge der Busse und kontrollieren, dass man auch nicht die Gitter umgeht – ein schweres Verbrechen, welches immer zwei der lustigen Gestalten zusammen verhindern müssen. Es gibt dann grausame ältere Schüler, die dieses unbegreiflich wichtige „Gebot“ dreist missachten. Infolgedessen muss man diese dann darauf hinweisen – diese Schüler, die eigentlich nur nach Hause wollen, einen scheiß Tag hatten und dann noch von jemanden auf so einen Schwachsinn aufmerksam gemacht werden. Nach dem Hinweis des aufmerksamen Schülers, dass da doch schon Leute den Weg versperren, wo er eigentlich hergehen sollte, kommt dann nur ein „Das sollst du trotzdem machen“. Anschließende Kommentare wie „Ich lass mir doch nichts von so einer unqualifizierten Person etwas vorschreiben“ vielleicht nicht unbedingt gerechtfertigt sind, aber man kann nachvollziehen warum dieser gewisse Schüler so reagiert hat.
Durch so ein Ereignis kann man schon mal die Achtung vor ungefähr 10 Neonleuchten Leuten verlieren. Dennoch wollten die Busvollstopfer (Anmerkung: unterbezahlte Arbeiter des informellen Sektors in Lima, die darauf achten, dass jeder Quadratzentimeter im Bus benutzt wird) sich noch weiter steigern, ja man muss sich ja wichtig fühlen (übrigens mit Funkgeräten aus dem Aldi, um eine Distanz von 75m zu überbrücken in der man die ganze Zeit Sichtkontakt hat) und nun auch noch anfangen die Karten zu kontrollieren. Ja, man sollte also nun als Schüler seine Busfahrkarte vorzeigen. Auch wenn man vorher einen super Tag hatte, hat man dann zwangsweise, geradezu automatisch, eine scheiß Laune.
Aus diesem Grunde wird der mündige Schüler auch nicht seine Karte vorzeigen. Wie erwartet kommt man damit natürlich auch durch, da sie ja keine Druckmittel haben. „Busfahrkarte?“ Leider haben sie da den falschen erwischt, der sich so etwas nicht gefallen lässt, also gehe ich stumpf weiter, der Busvollstopfer ist dann wohl so überrascht, dass mein Hintermann ihm versichert: „Hat er.“
Meiner Meinung nach ist es ja wirklich lobenswert, die die Busmännchen ein wenig auf die Kinder aufpassen, dass die nicht ganz untergehen, aber sich dann so aufzuspielen und gerade mir dann zu sagen, was ich zu tun hätte finde ich schon etwas peinlich. Die Beschäftigungstherapie ist ja auch eine gute Öffentlichkeitsarbeit als Beruhigung für die zu Tode besorgten Eltern, aber mich soll man damit bitte ihn Ruhe lassen, ich habe kein Bedarf von solch uninteressanten Menschen angequatscht zu werden und mir meinen Tag versauen zu lassen.
Eine andere Art von überbesorgten Eltern gibt es auch noch an anderer Stelle. Es gibt wirklich Leute die meinen Schülerlotsen wären in einem kleinen Ort von wesentlich weniger als 20.000 Einwohnern an einer Ampel von Nöten! Wenn es ein Zebrastreifen wäre oder einfach eine Stelle oder verkehrsleitende Systeme, dann könnte ich es absolut Nachvollziehen, aber ich kann mich einfach nicht vorstellen, dass jemand nicht vor einer roten Ampel halten würde, wenn da kleine Kinder herüberlaufen, aber wenn da eine alte Hausfrau steht, hält man natürlich viel eher an und nicht, weil ein Polizist da ja auch noch herumstehen muss, da er nichts besseres zu tun hat. Ich vermute auch dahinter steckt eine Art Beschäftigungstherapie oder vielleicht dient es auch der Gewissensberuhigung, damit man „ja etwas gemacht hat“. Ich kann es zumindest nicht verstehen.
Auch die Mittel zur Geldbeschaffung des örtlichen Busunternehmens möchte ich mal anprangern. Das ist nämlich mehr als widerlich: Es werden passend zum Schulschluss „Fahrkartenkontrolleure“ eingesetzt, die die kleinen Kinder nach ihrer Busfahrkarte fragen. Wenn dieses Kind dann einen falschen „Zeitabschnitt“ mit sich führt (ist einmal im Monat zu wechseln, kann also schonmal vergessen werden), wird eine minimalistische Bearbeitungsgebühr von 7€ fällig, die man zahlen muss nachdem man Post bekommen hat, da das Kind seine Adresse angeben musste. Dieses Prozedere ist der Firma nach dazu da um zu prüfen, ob das Kind auch eine Busfahrkarte hat - eigentlich unschwer an dem falschen aber vorhandenen Zeitabschnitt zu erkennen.
Da das alles sehr nach Berechnung abläuft und die Parasiten nur kommen, wenn es sich wirklich lohnt, ist es meiner Meinung nach ein widerwärtiges Handeln. Den Namen werde ich natürlich nicht nennen, würde es aber sehr gerne.
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